Author: HEGeo

Auszeichnung für IW3: Zweiter Platz bei den Open District Hub Awards

Es gibt Grund zu feiern! Das IW3 Projekt wurde am 29. November bei den neu ins Leben gerufenen ODH Awards in München mit dem zweiten Platz in der Kategorie „Integration“ ausgezeichnet: ODH steht für Open District Hub e.V. Der ans Fraunhofer Institut angegliederte Verein schaut sich innovative Quartierslösungen, die sich um die Sektorenkopplung von Strom, Wärme und Mobilität drehen, an. Unser Wilhelmsburger Geothermieprojekt belegte den zweiten Platz in der Kategorie Integration. Stefan Kleimeier, Leiter der Unternehmenskommunikation bei den Hamburger Energiewerken, nahm den Preis mit Freude entgegen. Die Entscheidung der aus Expertinnen und Experten des Vereinsvorstand bestehenden Jury beruht sowohl auf technischen Aspekte der Integration, als auch auf den Partizipationsmöglichkeiten für die Bewohnerinnen und Bewohner der jeweiligen Quartiere. Außerdem gab es ein öffentliches Online-Voting. Den ersten Platz belegte in diesem Jahr das Energetische Nachbarschaftsquartier Fliegerhorst Oldenburg.

Der gemeinnützige Verein ist ein branchenübergreifender Zusammenschluss von über 40 Unternehmen und Organisationen. Die Mitglieder kommen aus der Energie- und Immobilienwirtschaft, den Bereichen Forschung, Mobilität, Technologieausrüstung, Softwareentwicklung, Gebäudeautomatisierung, Projektierung sowie Beratung. Die Initiative fördert den Austausch zwischen Wirtschaft, Forschung, Politik, Kommunen und Öffentlichkeit zur Sektorenkopplung von Strom, Wärme und Mobilität.

Mehr über den Open District Hub

Der gemeinnützige Verein ist ein branchenübergreifender Zusammenschluss von über 40 Unternehmen und Organisationen. Die Mitglieder kommen aus der Energie- und Immobilienwirtschaft, den Bereichen Forschung, Mobilität, Technologieausrüstung, Softwareentwicklung, Gebäudeautomatisierung, Projektierung sowie Beratung. Die Initiative fördert den Austausch zwischen Wirtschaft, Forschung, Politik, Kommunen und Öffentlichkeit zur Sektorenkopplung von Strom, Wärme und Mobilität.

Wo sollten wir uns noch bewerben? / Welche Preise sind interessant für das Geothermieprojekt?

    Vorträge von Infoveranstaltung jetzt als Videos online

    Wie aus Wünschen Wärme wird

    Am 26. September 2023 fand eine öffentliche Info-Veranstaltung zum gegenwärtigen Stand des Geothermieprojekts im Wilhelmsburger Energiebunker statt. Michael Prinz, Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke, Dr. Carsten Hansen, Geologe und Projektmanager Forschung und Dr. Thomas Thaufelder, Projektkoordinator des IW3 Projekts, stellten die Erfolge und Herausforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven dar und gaben einen Einblick in die Zukunft des Vorhabens. Die Vorträge sind hier verlinkt.

    Von der Planung zur Umsetzung

    Wir haben hier zukünftig die Möglichkeit, 100 Prozent erneuerbare Wärme zu fördern“, erklärt Michael Prinz Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke (HEnW), in seinem einführenden Vortrag. „Mit Hilfe der gesetzlich vorgeschriebenen kommunalen Wärmeplanung gibt die Stadt vor, wie die Wärmeversorgung der Zukunft aussehen soll.“ Die HEnW und die beteiligten Projektpartner kümmern sich um die konkrete Umsetzung.

    Der Stadtteil Wilhelmsburg solle dafür entwickelt werden. Die Elbinsel sei für Hamburger zwar lediglich ein Stadtteil. Mit über 50.000 Einwohnern sei dieser aber so groß wie viele Städte in Deutschland, so dass sich aus dem Projekt viele Erkenntnisse für kleinere Gemeinden gewinnen ließen. Rund 6000 Haushalte in Wilhelmburg sollen künftig mit geothermischer Wärme versorgt werden. Wie genau das passiert, erklärt er hier.

    Pionierarbeit für Norddeutschland

    Dr. Carsten Hansen, Leiter Forschung & Entwicklung des Geothermie-Projekts bei der Hamburg Energie Geothermie GmbH, berichtet über den Weg von der ersten Erkundungsbohrung zu den erfolgreichen Produktionsbohrungen und Fördertests. Über 200 Millionen Jahre alt sind die Erdschichten, durch die sich der Erdbohrer manövriert habe. Dabei seien wichtige Erkenntnisse über die Beschaffenheit des sogenannten Norddeutschen Beckens gewonnen worden. Dieses weist neben dem Oberrheintalgraben und dem Molassebecken im Großraum München als eine von drei Regionen in Deutschland geothermisches Potenzial auf.

    Auch wenn nicht alles nach Plan lief: Bis zu einer Tiefe von rund 2500 Metern Tiefe entsprach die Bohrung den Erwartungen“, so Hansen. Dass es ab dann jedoch anders aussah als angenommen, führte zu einigen Veränderungen im Projektdesign. Wie diese aussehen, erläutert er hier.

    Dynamik im Reallabor

    „Zur Hälfte haben wir dieses Projekt bereits hinter uns gebracht. Wir haben nämlich Wasser gefunden“, freut sich Dr. Thomas Thaufelder, Projektkoordinator des Projekts IW3. In seinem Beitrag stellt er dar, wie die geplante Wärmeversorgung konkret funktionieren soll. Dabei erläutert er, welche Folgen die veränderte Bohrtiefe für den weiteren Projektverlauf mit sich bringt. Ein Beispiel: Das geförderte Wasser ist 48 Grad warm. Damit es die nötige Heizwassertemperatur von 70-85 Grad erhält, soll eine Wärmepumpe hier Unterstützung leisten. Mit dem Bau des sogenannten Heizhauses soll im Frühjahr 2024 begonnen werden.

    Thaufelder verweist auf den Umfang des IW3 Projektes als solches: „Dieses Reallabor ist Teamwork“, sagt er und verweist darauf, welche unterschiedlichen beteiligten Partner sich um die Bohrung (IWu), die Systemintegration (IWs) und den Herkunftsnachweis (IWm) kümmern, um in naher Zukunft „ein System mit hervorragenden ökologischen Kennzahlen und niedrigen CO2-Emissionen“ zu schaffen. Wie alles miteinander zusammenhängt, verrät er hier.

    Was bisher geschah

    Impressionen aus der Bauphase des Geothermie-Projekt gibt es hier in einem kurzen Film.

    „Zurückhaltung lösen“: BMWK -Staatssekretär Stefan Wenzel informiert sich vor Ort über Projektstatus

    Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Stefan Wenzel, hat am Mittwoch, 22.11.2023 den Wilhelmsburger Energiebunker besucht, um sich über den gegenwärtigen Stand von IW3 zu informieren. Michael Prinz, Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke, und Carsten Hansen, Leiter Forschung & Entwicklung des Geothermieprojekts, standen dem Staatssekretär Rede und Antwort und führten ihn durch den Energiebunker.

    Stefan Wenzel zeigte sich besonders interessiert an der geballten Technik im Energiebunker, die ihm Michael Prinz erklärte. Der Staatssekretär nahm sich aber auch die Zeit, selbst einige Fragen zu beantworten.

    Herr Staatssekretär, Sie haben mehrfach öffentlich betont, dass der Geothermie gerade im Wärmemarkt eine hohe Bedeutung zukäme, ihr großes Potenzial in den letzten Jahren nicht so erschlossen worden sei, wie gewünscht. Woran liegt dies Ihrer Ansicht nach?

    Der Geothermie kommt Bedeutung zu, weil sie eine der wichtigen erneuerbaren Wärmequellen ist. Wärme aus dem oberen Erdreich kann die Effizienz einer Wärmepumpe nochmal erheblich steigern, kann einzelne Häuser heizen oder in Wärmenetze eingespeist werden. Das Gebäudeenergiegesetz und das Wärmeplanungsgesetz zeigen die Möglichkeiten für verschiedene effiziente und moderne Heizungssysteme auf, damit die Wärmeversorgung langfristig bezahlbar bleibt und nicht mehr auf teure fossile Rohstoffe angewiesen ist. Mit der vor einem Jahr gestarteten Erdwärmekampagne wollen wir zudem die Zurückhaltung bei der Umsetzung von mittel- und tiefen Geothermieprojekten lösen. Darin enthalten ist beispielsweise ein Forschungsprojekt, in dem wir zusammen mit den Staatlichen Geologischen Diensten der Bundesländer die Untergrunddaten bereitstellen.

    Bislang wurde das geothermische Potenzial vor allem in Süddeutschland erforscht und gehoben. Das Projekt IW³ zeigt auf, welche durchaus nennenswerten Möglichkeiten es auch in Norddeutschland gibt. Nun haben Sie sich persönlich ein Bild gemacht. Was hat Sie besonders beeindruckt?

    Der Norden hat mehr als 100.000 oberflächennahe Nutzungen, aber wenig mitteltiefe und tiefe. Häufig stehen die geothermischen Projekte in Bayern oder im Oberrheingraben im Fokus, aber auch hier in Mittel- und Norddeutschland werden Projekte gefördert. Ich erinnere da an Neustadt-Glewe, Hannover oder Schwerin. In Norddeutschland sehe ich beispielsweise auch Chancen in der mitteltiefen Geothermie mit Bohrungen bis ca. 2.500 Metern. Mit effizienten Großwärmepumpen kann hier wirtschaftlich und gleichzeitig klimafreundlich Wärme erschlossen werden.

    Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz plant nun, im engen Austausch mit der Branche und den beteiligten Stakeholdern herauszuarbeiten, welche konkreten Verbesserungen am rechtlichen Rahmen nötig sind, um die Geothermie in Deutschland zu stärken. Was sind Ihre vorrangigen Ziele für diesen Prozess?

    Wir haben vor Kurzem im Bürokratieentlastungsgesetz IV eine Änderung des Bergrechts aufgenommen, die oberflächennahe Geothermie erleichtert und Rechtsklarheit schafft. Das hatten die Bundesländer bislang unterschiedlich gehandhabt. Und wir werden bei einer umfassenderen Novelle des Bergrechts prüfen, wo es weitere Verbesserungsmöglichkeiten für die tiefe Geothermie gibt. Wir prüfen auch konkrete Vorschläge, wie die Rahmenbedingungen für Planung und Genehmigung vereinfacht werden könnten. Außerdem haben wir im Wärmeplanungsgesetz bereits das überragende öffentliche Interesse für Anlagen mit erneuerbarer Wärme verankert, die ins Wärmenetz einspeisen. Davon profitiert auch die Geothermie.

    Danke für Ihre Antworten, Herr Staatssekretär!

    Auch einige Medien nahmen an dem Gespräch und der Führung teil. Einen Beitrag des NDR zum Thema gibt es hier.

    Staatssekretär Stefan Wenzel hört aufmerksam zu

    Interessiert hörte der Staatssekretär den Erläuterungen zum Wilhelmsburger Geothermieprojekt zu.

    Carsten Hansen erklärte die Besonderheiten der Bodenbeschaffenheit und ihre Auswirkungen auf das Projekt.

    Michael Prinz, Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke, berichtet über den gegenwärtigen Stand des Geothermieprojekts

    Michael Prinz führte aus, wie die Wärmeversorgung in Wilhelmsburg künftig aussehen könnte.

    alle Fotos: BMWK | bundesfoto | Christina Czybik

    Eine neue Wärmequelle für den Bunker: Baubeginn der Fernwärmeleitung

    Wenn das Geothermie-Kraftwerk an der Alten Schleuse fertiggestellt ist, soll es die klimafreundliche Wärme an den nahegelegenen Energiebunker liefern. Der Bunker wird dann für die erneuerbare Wärme als eine Art Verteilknoten dienen, und dafür sorgen, dass sie sicher und effizient weiter zu den Hausanschlüssen transportiert wird.

    Die ersten Schritte dafür wurden jetzt getan: wir haben die sogenannte Hauseinführung im Bunker gebohrt. Dort wird dann eine neue Fernwärmeleitung in den Bunker herein- und wieder herausführen. Bislang gibt es vier Fernwärmeleitungen beim Bunker – in jede Himmelsrichtung eine. Die neue Fernwärmeleitung vom Geothermie-Bohrplatz wird die fünfte sein.

    Der Energiebunker in Wilhelmsburg.
    An der Seite der Neuhöfer Straße wurde gebohrt.

    Der Energiebunker hat eine innere und eine äußere Schale – beide sind rund zwei Meter dick. Begonnen wurde mit der äußeren Wand

    Die Bohrkrone des Bohrers: Ihre Sägezähne sind aus Hartmetall, wie bei einem Kreißsägeblatt. Das Loch in der Bunkerwand hat einen Durchmesser von ca. 60 Zentimetern.

    Der Arbeiter dreht ein Zahnrad an der Seite und die Bohrkrone fräst sich immer weiter in die Betonwand des Bunkers.

    Hier wird eine Verlängerung ausgetauscht – diese werden immer länger, je weiter der Bohrer sich vorgearbeitet hat.

    Für die zwei Meter Bunkerwand brauchen die Arbeiter zwei bis drei Tage.

    Ein Bohrkern aus der mächtigen Bunkerwand.
    Die braunen Flecken deuten auf die Bewehrung hin – Metallgitter, die damals im Beton eingegossen wurden, um ihn widerstandsfähiger zu machen

    In einem nächsten Schritt werden die Kunststoffmantelrohre eingebaut.
    Die Isolierung braucht viel Platz: die eigentlichen Stahlrohre haben dann nur einen Durchmesser von etwa 30 Zentimetern.

    Neuhöfer Straße Ecke Georg-Wilhelm-Straße:
    Auch hier wurde schon ein Eckstück an der Kreuzung für die zukünftige Fernwärmeleitung erneuert.

    Vom Geothermie-Bohrplatz bis zum Energiebunker sind es rund zwei Kilometer.
    Mit den weiteren Teilstücken der neuen Fernwärmeleitung wird Ende des Jahres begonnen. Wenn sie fertig ist und das Geothermie-Kraftwerk in Betrieb, kann im Energiebunker der Erdgas-Anteil signifikant reduziert werden.

    Info-Veranstaltung zur Geothermie am 26. September

    Die Fördertests sind abgeschlossen – wie liefen diese eigentlich ab? Was bedeuten die Ergebnisse? Und: Wie soll das Geothermie-Kraftwerk in Zukunft funktionieren? Zu diesen und weiteren Fragen laden wir alle Wilhelmsburgerinnen, Wilhelmsburger und Interessierte herzlich zu einer Info-Veranstaltung ein!

    Wann:  Am Dienstag, den 26. September von 16:30 – 18 Uhr
    Wo:       Im Energiebunker Wilhelmsburg, Neuhöfer Straße 7

    Referenten sind unter anderem Michael Prinz, Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke, und Dr. Carsten Hansen, Geologe und Projektmanager Forschung. Es wird genug Raum für Diskussionen und Ihre Fragen geben. Zur besseren Planung bitten wir um eine formlose Anmeldung unter: info@iw3-hamburg.de.

    Im Anschluss an die Veranstaltung bieten wir ab 18 Uhr Führungen durch den Energiebunker an. Wenn Sie teilnehmen wollen, ist Ihre Anmeldung unter info@iw3-hamburg.de erforderlich.

    Wer leider keine Zeit hat zu kommen: Die Vorträge werden aufgezeichnet und im Anschluss auf unserer Homepage veröffentlicht.

    Wir freuen uns auf Sie!

    Der Energiebunker an der Neuhöfer Str. 7 in Wilhelmsburg. Hier findet die Info-Veranstaltung statt.

    Ergebnisse der Fördertests: Über 6.000 Haushalte können mit Wärme versorgt werden!

    Die Fördertests sind mittlerweile abgeschlossen und die Ergebnisse liegen vor: Aus der Sandsteinschicht in über 1.300 Metern Tiefe kann zukünftig 48 °C warmes Thermalwasser gefördert werden. Aufgrund der Ergebnisse der Fördertests und dem derzeitigen technischen Planungsstand der Geothermie-Anlage rechnen unsere Experten mit einer geothermalen Wärmeleistung von rund 6 Megawatt. Rein rechnerisch lassen sich damit über 4.700 Haushalte versorgen. Durch den Einsatz einer geplanten mehrstufigen Wärmepumpenanlage kann die gewonnene Wärmeenergie und damit auch die Anzahl der versorgten Haushalte auf rechnerisch über 6.000 Haushalte erhöht werden.

    Mittels eines Wärmetauschers wird dem 48 Grad Celsius warmen Thermalwasser Wärme entzogen und auf den Heizwasserkreislauf übertragen. Durch den Einsatz einer effizienten Wärmepumpenanlage wird das Heizwasser auf das je nach Jahreszeit erforderliche Temperaturniveau der Fernwärme gebracht.

    „Wir setzen in Hamburg alles Machbare um, damit die Wärmewende vorangetrieben wird und wir unsere Klimaziele erreichen. Mit dem erfolgreichen Geothermie-Projekt der städtischen HEnW in Wilhelmsburg werden wir einen weiteren Baustein zur umweltfreundlichen Energiegewinnung nutzen. … Ich gehe davon aus, dass die Geothermie als Technologie perspektivisch zur Dekarbonisierung in Hamburg und der Metropolregion beitragen wird.“

    Jens kerstan, Sneator für umwelt, klima, energie und agrarwirtschaft
    Entscheidend für das Gelingen des Geothermie-Projekts: Die Fördertests.
    Blick aus der Vogelperspektive auf den Bohrplatz während der Fördertests

    Mit der neuen Geothermie-Anlage soll das Wärmenetz Wilhelmsburg weiter ausgebaut werden, um fossile Wärmeerzeuger zu verdrängen. Dafür werden die bereits existierenden zwei Wärmenetze –  Energiebunker und Energieverbund – zusammengeschlossen,  schrittweise verdichtet und ausgebaut. Der Bau der Betriebsanlagen am Geothermie-Standort soll im Frühjahr 2024 starten, der erforderliche Leitungsbau hat bereits begonnen. Ab 2025 können in Hamburg-Wilhelmsburg Haushalte mit Wärme aus der neuen Geothermie-Anlage versorgt werden!

    „Die Forschung zur Geothermie in Hamburg-Wilhelmsburg hat uns auch wissenschaftlich sehr weit vorangebracht. Wir haben eine geologische Formation entdeckt, die wir für die mitteltiefe Geothermie weiterentwickeln können. Die Projekte in Schwerin und Potsdam haben ebenfalls Gesteine mit 40 bis 60 Grad Celsius Erdwärme mitteltief erschlossen und sie zeigen: Hierin liegt die Zukunft der Wärmeversorgung in Deutschland.“

    Inga moeck, Professorin für Geothermie an der Georg-August-Universität Göttingen, leitet das wissenschaftliche Begleitprogramm mesoTherm

    Kurz und knapp: Die Fakten

    • Tiefe der Produktionsbohrung: ca. 1.400 Meter
    • Tiefe der Injektionsbohrung: ca. 1.300 Meter
    • Mächtigkeit der Sandsteinschicht: ca. 130 Meter
    • Alter der Gesteinsschicht: 45 Mio. Jahre
    • Thermalwasser-Temperatur: 48 °C
    • Förderrate: ca. 140 m³/h
    • Geothermale Wärmeleistung: ca. 6 MW
    • Wärmepumpeneinsatz zur Temperaturanhebung des Fernwärmewassers: 75-85 Grad Celsius, je nach Jahreszeit
    • Geplanter Baustart Heizhaus: Frühjahr 2024
    • Geplanter Start der Wärmelieferung: Frühjahr 2025

    Fördertests erfolgreich durchgeführt

    Mehrere Wochen dauerten die sogenannten Fördertests an der Alten Schleuse. Mithilfe dieser Tests können wir erstmals verlässlich die Temperatur des Thermalwassers und die Förderrate bestimmen – und damit letztendlich auch die Wärmeleistung der geothermischen Quelle.
    Die Ergebnisse sind wie erwartet positiv!

    Momentan sind wir dabei, mit den Ergebnissen das Wärmekonzept für Wilhelmsburg fertigzustellen, das wir voraussichtlich in Kürze der Öffentlichkeit präsentieren wollen.

    Zwei Mitarbeiter des Projekts bei der Durchführung. Die Tests selbst erfordern nicht viel Personal – nur Geduld und Sorgfalt. Die Ergebnisse der Tests sind für das weitere Gelingen des Projekts von entscheidender Bedeutung. Allerdings braucht es für den Aufbau der Tests oberirdisch nicht viel Equipment. Das wesentliche Equipment ist unter der Erde. Die Thermalwasserförderpumpe befindet sich 400 Meter tief in der Bohrung.
    Ein sogenanntes Messwehr von oben: Hier strömt das warme Thermalwasser durch.
    Über eine Wasserstandsmessung kann die Förderrate bestimmt werden.

    Das warme Thermalwasser aus dem Untergrund – die dunkle Färbung entsteht aufgrund des Eisengehalts.

    Filterrohre erfolgreich eingebaut

    Für die Durchführung der Fördertests auf dem Bohrplatz haben wir bereits die Filterrohre eingebaut. Die Bohranlage, die wir dafür benötigt haben, ist inzwischen wieder abgebaut und die weiteren Vorbereitungen laufen für die in Kürze startenden Fördertests.

    Die Filterrohre warten auf dem Bohrplatz auf ihren Einsatz.

    Ein Kran hebt die einzelnen Rohre hoch …

    Blick von oben auf den Bohrplatz mit Kran und Bohrturm. Nach dem Einbau der Filterrohre wurde die Anlage wieder abgebaut.

    Die nächsten Schritte: Was passiert beim Fördertest?

    Noch liegt der Bohrplatz im Winterschlaf, doch der Eindruck täuscht: Unsere Expertinnen und Experten arbeiten unermüdlich daran, dass es in Kürze weitergeht. Als nächstes stehen der Einbau der Filterrohre und der Fördertest an. Danach können wir erstmals verlässlich sagen, mit welcher geothermischen Wärmeleistung wir in Wilhelmsburg rechnen können. Aber wie genau funktioniert dieser Fördertest?

    Einbau der Filterrohre

    Im März wird zunächst ein sogenanntes Workover Rig auf dem Bohrplatz aufgestellt. Man kann sich das wie eine kleinere, mobile Bohranlage vorstellen. Damit werden wir die spätere Förderbohrung erneut befahren und von losem Gesteinsmaterial befreien, das sich eventuell am Boden der Bohrung angesammelt haben könnte. Denn Rohre wurden nur bis zum obersten Bereich unseres geothermischen Reservoirs eingebaut. In das Reservoir – also den Bereich, wo die Sandsteinschicht am durchlässigsten ist – werden anschließend die Filterrohre eingebaut.

    Hierbei handelt es sich um Rohre aus besonders korrosionsresistentem Stahl, die sehr dünne, horizontale Schlitze aufweisen. Diese Schlitze ermöglichen dem Thermalwasser in das Rohr einzuströmen, während Sandsteinpartikel zurückgehalten werden. Um die Filterrohre baut sich ein natürlicher Filterkuchen aus Sand auf.

    Die Filterrohre wurden speziell für unser geothermisches Reservoir gefertigt. Da es sich hier also nicht um standardisiertes Equipment handelt, haben diese Komponenten mitunter lange Lieferzeiten.
    Nach dem Einbau der Filterrohre wird das Workover Rig wieder abgebaut.

    In das verrohrte Bohrloch wird dann mithilfe von Kränen eine Thermalwasserförderpumpe eingebracht. Diese Pumpe – konkret eine Tauchkreiselpumpe – muss immer im Wasser hängen und wird deswegen auf einer Tiefe von circa 500 Metern befestigt. Der Wasserspiegel in der Bohrung liegt im Ruhezustand, wenn kein Thermalwasser gefördert wird, bei circa 60 Metern unter der Geländeoberfläche.


    Das Foto rechts zeigt ein Muster der Filterrohre. Die tatsächlich verwendeten Filterrohre haben einen noch größeren Durchmesser © C. Hansen / CAH

    Der Fördertest

    Nach dem Einbau der Filterrohre und der Thermalwasserförderpumpe erfolgt der eigentliche Fördertest: Aus der Produktionsbohrung wird das Thermalwasser stufenweise mit verschiedenen Förderraten nach oben gefördert, um sukzessive die Förderrate für den späteren Betrieb zu ermitteln. Diese Testarbeiten werden rund eine Woche dauern. Danach können wir sowohl die optimale Förderrate definieren als auch die genaue Temperatur des Thermalwassers. Anschließend simulieren wir den Betrieb einer künftigen Geothermie-Anlage mit dem sogenannten Zirkulationstest: Wir fördern Thermalwasser aus der Förderbohrung und leiten es über die Injektionsbohrung wieder zurück in den Untergrund, aus dem es kommt. Dafür wird das Thermalwasser obertägig erneut durch ein zusätzliches Filtersystem geleitet, in dem auch feinste Partikel aus dem Thermalwasser gefiltert werden. Damit stellen wir sicher, dass sich die Injektionsbohrung nicht durch Einlagerung von Feinmaterial nach und nach zusetzt.

    Funktioniert alles wie geplant, ist nach dem Abschluss der Tests ein wichtiger Meilenstein erreicht und wir können die klimafreundliche Wärmeversorgung in Wilhelmsburg ganz detailliert ausrichten. Mit der dann noch ausstehenden finalen Investitionsentscheidung gibt es auch den Startschuss für den Bau des Heizhauses.


    Der Säbelzahntiger an der Nordsee

    Eine Zeitreise in unser geothermisches Reservoir

    Auf leisen Pfoten schleichen die Säbelzahntiger durch die weite Steppe. Die Raubkatzen jagen in Rudeln, um große grasende Pflanzenfresser zu erbeuten. Warmer Wind streicht über die Graslandschaft Norddeutschlands, das Klima ist warm und fast tropisch – der Planet befindet sich in einem natürlichen Klimawandel.

    Rund 45 Millionen Jahre später, 1847, wird ein Homo sapiens, der englische Geologe Charles Lydell, diese erdgeschichtliche Epoche nach der griechischen Göttin der Morgenröte Eos (griech. ἔος bzw. ἠώς und griech. καινός = „neu, ungewöhnlich“) nennen: Eozän.

    Nur dem Namen nach ein Tiger: Rekonstruktion eines Smilodons
    © Von Sergiodlarosa, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6835781

    Noch zu Beginn des Eozäns, vor etwa 56 Millionen Jahren, waren große Teile von Mitteleuropa Festland. Bis nach Skandinavien herrschte eine üppige Vegetation mit tropischen Bernsteinwäldern. Aus diesen Wäldern stammt übrigens der Bernstein, den wir heute an der Küste der Ostsee finden – diese jedoch entstand erst viel später, nach der nächsten Eiszeit.

    Im Eozän dagegen bildete sich zunächst das Nordseebecken heraus, und weite Teile des heutigen mitteleuropäischen Tieflandes waren von der jungen Nordsee bedeckt. Dänemark existierte noch nicht als Landmasse und der Nordseestrand reichte von Belgien über die Niederlande, das nördliche Niedersachsen bis nach Polen, dort, wo heute Gdansk liegt.

    An diesem Sandstrand der jungen Nordsee befindet sich auch das heutige Hamburg. Woher aber wissen die Forschenden nach Millionen von Jahren so genau, dass hier ein Sandstrand war? Sand ist ein typisches Ablagungsmaterial, das entsteht, wenn Berge und Gestein abgetragen werden: Überall dort, wo Flüsse ins Meer münden, wird auch Sand abgelagert. In der Sandsteinschicht, die wir geothermisch nutzen wollen, gibt es noch einen weiteren Hinweis auf die frühere Nordseeküste an diesem Ort: Das Wasser, das bei unseren ersten Fördertests zutage kam, war grünlich. Die Färbung entsteht durch das Tonmineral Glaukonit, ein Tonmineral, das nur in Küstenbereichen vorkommt und damit ein klarer wissenschaftlicher Beweis für den Übergang von der Landmasse zum Meer ist.

    Was vor Jahrmillionen entstand, lässt sich heute hoffentlich für unsere zukünftige Energieversorgung nutzen – ein Gruß aus einem fernen, längst vergangenen Erdzeitalter.